IWG-Holding Internationale Werbegesellschaft m.b.H.
Die stille Größe der österreichischen Werbewelt seit 1946
Manche Namen in der österreichischen Werbelandschaft hinterlassen über Jahrzehnte Spuren, ohne selbst im Rampenlicht zu stehen. Einer dieser Namen ist die IWG – Internationale Werbegesellschaft, gegründet 1946, nur ein Jahr nach Kriegsende, als Österreich begann, seine Wirtschafts- und Medienlandschaft neu zu ordnen. Über Jahrzehnte hinweg galt: Wer sichtbar sein wollte, kam an der IWG kaum vorbei.
Historische Wurzeln und Tätigkeitsbereich
Die historische IWG wurde 1946 von Alfred („Fred“) Ungart, Inhaber der Agentur Publicitas, gemeinsam mit dem Wirtschafts- und Bauernbund sowie dem ÖAAB gegründet. Ungart zählt zu den bedeutendsten Werbe- und Medienunternehmern der österreichischen Nachkriegszeit. Mit der IWG schuf er eine der größten Werbe- und Außenwerbegruppen des Landes und prägte den Aufbau der modernen österreichischen Werbewirtschaft entscheidend. Durch die Übernahme der Publicitas, der führenden Anzeigenvermittlerin Österreichs, gewann er maßgeblichen Einfluss auf den Anzeigenmarkt und baute mit der Eingliederung zahlreicher Plakatunternehmen ein österreichweites Netz der Außenwerbung auf.
Die enge Verknüpfung seiner Tätigkeit im Bereich der Werbevermarktung mit dem Mediensektor ebnete Fred Ungart den Weg in das Zeitungsgeschäft. So übernahm er beispielsweise im Jahr 1961 die Tageszeitung Die Presse von Fritz Molden.
Zwei Jahre später, 1963, erwarb er die Tageszeitung Neues Österreich. Diese war am 23. April 1945 als erstes österreichisches Blatt der Zweiten Republik erschienen und verstand sich als „Organ der demokratischen Einigung“. Sie wurde zunächst gemeinsam von den drei Parlamentsparteien – ÖVP, SPÖ und KPÖ – herausgegeben und ging mit der Übernahme durch Ungart erstmals in Privatbesitz über.
Die IWG startete als klassische Werbeagentur, die Unternehmen in der Nachkriegszeit beim Aufbau ihrer Marken unterstützte. Früh zeichnete sie sich durch eine internationale Ausrichtung aus, pflegte Kontakte über Landesgrenzen hinweg und beteiligte sich an verschiedenen Medienprojekten und Marketinginitiativen.
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich die IWG zu einer breit aufgestellten Werbe- und Medienholding, die klassische Kommunikation, Media-Expertise und Beteiligungsmanagement miteinander verband.
– Stammkapital (1995): öS 68 Mio. (ca. € 4,9 Mio.)
– Beschäftigte (1995): 210 Mitarbeiter
– Umsatz Gruppe: öS 850–870 Mio. (1992–1994) (ca. € 61–63 Mio.)
Die Eigentümerstruktur spiegelte die enge Verbindung von Wirtschaft und Interessenvertretung wider:
– Österreichischer Bauernbund, Wien – 50 %
– Österreichischer Wirtschaftsbund, Wien – 50 %
Der Aufsichtsrat setzte sich aus bedeutenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Interessenvertretung zusammen, darunter:
– Dr. Reinhold Mitterlehner (Aufsichtsratsvorsitzender; ehemaliger Vizekanzler der Republik Österreich)
– Ing. Leo Maderthaner (Präsident der Wirtschaftskammer Österreich / WKÖ)
Geschäftsfelder und Beteiligungen
Tochtergesellschaften
– Ankünder Gesellschaft für Außenwerbung m.b.H.
– Ankünder Magyarország Reklám Kft., Budapest
– cds Werbung und Kommunikation GmbH
– City Light Poster Werbegesellschaft m.b.H.
– Continentale Werbeagentur Gesellschaft m.b.H.
– CWMA – Continentale Werbe- und Marketing-Agentur Gesellschaft m.b.H.
– IWG Media Beratungs GmbH
– IWG-NetConcept Multimedia- Beratungsgesellschaft mbH
– IWG PUBLICITAS Werbeagentur Gesellschaft m.b.H.
– Wiener Werbegesellschaft m.b.H.
Beteiligungen
– Bozell Austria Werbeagentur Ges.m.b.H. (später: Draftfcb Kobza Werbeagentur GmbH)
– HEROLD & IWG Amtliche Telefon- und Branchenbücher GmbH
– Gewista Werbegesellschaft m.b.H (13 % Beteiligung)
– Telaustria Verlags Gesellschaft m.b.H.
Die IWG deckte das gesamte Spektrum der Medien- und Werbewirtschaft ab – von Außenwerbung über Media-Services bis hin zu strategischen Beteiligungen.
Die IWG als bedeutender Gewista-Gesellschafter
(16 % Beteiligung)
Eine besondere Bedeutung innerhalb des Beteiligungsportfolios der IWG hatte ihre Beteiligung an der Gewista, dem führenden österreichischen Außenwerbeunternehmen. Mit einem Anteil von 16 Prozent zählte die IWG zu den bedeutenden Gesellschaftern und festigte damit ihre starke Position im österreichischen Außenwerbemarkt.
Die Beteiligung ergänzte die eigenen Aktivitäten der IWG im Bereich Außenwerbung und unterstrich ihre Rolle als einflussreicher Akteur der heimischen Kommunikationswirtschaft.
Die Macht der Plakatwand: City Lights & „Ankünder“
Mit über 21.000 Qualitätsflächen in Österreich, vor allem in Landeshauptstädten und Ballungszentren, bot die IWG ein flächendeckendes Plakatnetz.
Besonders die City-Light-Anlagen und die Marke „Ankünder“ ermöglichten Unternehmen eine hohe nationale und regionale Sichtbarkeit – lange bevor digitale Medien die Werbelandschaft grundlegend veränderten.
Die Gelben Seiten: Österreichweit präsent
Neben der klassischen Außenwerbung betrieb die Tochtergesellschaft WWG die bekannten „Gelben Seiten“.
Mit einer österreichweiten Auflage von rund 2,9 bis 3 Millionen Exemplaren waren sie ein zentrales Informations- und Werbemedium für Haushalte und Unternehmen.
Die IWG als Systemanbieter im Werbemarkt
Die IWG war nicht nur klassische Werbeagentur, sondern ein integrierter Systemanbieter für Kommunikation:
– Markenberatung und Kampagnenentwicklung
– Außenwerbung und Netzwerkplanung
– Branchen- und Telefonbuchmarketing
– Media-Planung und Media-Einkauf
– Medienforschung und Analyse
Wandel und Weiterentwicklung
In den 1980er- und 1990er-Jahren durchlief die Kommunikationsbranche einen tiefgreifenden Wandel. Klassische Agenturmodelle differenzierten sich, neue Medien und datenbasierte Planung hielten Einzug, und Kunden verlangten zunehmend integrierte Lösungen. Die IWG reagierte darauf mit einer Positionierung als Full-Service-Holding, die Reichweite, Spezialisierung und strategische Beratung miteinander verband.
Die Marke als stiller Akteur
IWG zeigt, dass Einfluss in der Kommunikationsbranche nicht zwingend laut auftreten muss. Zwischen Beteiligungen, Media-Services und großflächigen Werbenetzen wirkte die Gesellschaft oft im Hintergrund – aber mit nachhaltiger Wirkung auf Marktstrukturen in Österreich.
Seit ihrer Gründung 1946 ist die IWG ein prägender Bestandteil der österreichischen Werbewirtschaft. Mit Wurzeln in der Nachkriegszeit, starker Außenwerbung, strategischen Beteiligungen und einem breit aufgestellten Agentur- und Mediaportfolio steht sie exemplarisch für ein integriertes Kommunikations- und Beteiligungsmodell des 20. Jahrhunderts.